Ich bin ein Baumeister.

Wir sind auf dem Weg zum digitalen Handwerk. Handwerkliche Fähigkeiten müssen um digitale Möglichkeiten ergänzt werden.

Anton Rieder, Baumeister und Vordenker der Digitalisierung am Bau.

Ich bin ein Baumeister.

Anton Rieder, Baumeister und Vordenker der Digitalisierung am Bau.

Anton Rieder

Digitaler Vordenker am Bau.

Mit einem klaren Fokus auf digitale Transformation steht Anton Rieder seit über 25 Jahren für Innovationskraft, unternehmerische Verantwortung und zukunftsorientiertes Bauen. Nach seiner Ausbildung an der HTL und dem Studium an der Universität Innsbruck sammelte er zunächst wertvolle Erfahrungen in der Bauindustrie, wo er das Generalunternehmer- und Bauträgergeschäft kennenlernte. 1999 trat er in das elterliche Unternehmen ein, 2002 übernahm er die Geschäftsführung und die Mehrheitsanteile. Unter seiner Leitung entwickelte sich RIEDERBAU zu einem Vorreiter im Bereich Design & Build, das heute rund 80 % der Aufträge ausmacht.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der konsequenten Digitalisierung: von digitalen Gebäudemodellen (BIM) über durchgängige Bauprozesse bis hin zu digitalen Zwillingen für das Facility Management.

Als Baumeister verbindet Anton Rieder traditionelle handwerkliche Kompetenz mit moderner Prozessorganisation und technologischer Weitsicht. Sein Anspruch ist es, Fehlerkosten zu reduzieren, Effizienz zu steigern und nachhaltige Bauwerke zu schaffen, die auch den Herausforderungen von Klimaneutralität und Energiewende gerecht werden.

Sie sind Baumeister – wie kam es dazu, dass Sie diesen Beruf ergriffen haben und wie verlief Ihr Werdegang?

Ich bin Baumeister geworden, weil es eigentlich vorbestimmt war. Mein Vater war ebenfalls Baumeister und hat mich sanft in diese Richtung geschubst. Aber es hat bestens gepasst, und ich bin froh, dass ich diesen Beruf ergriffen habe.
Nach meiner Ausbildung an der HTL und der Universität war ich vier Jahre in der Bauindustrie tätig, um auswärts Erfahrungen zu sammeln. Dort habe ich das Generalunternehmer- und das Bauträgergeschäft kennengelernt. 1999 bin ich ins elterliche Unternehmen eingestiegen, mein Vater hat es mir sehr schnell übergeben. 2002 habe ich die Geschäftsführung sowie die Mehrheitsanteile übernommen, und mein Vater ist sukzessive aus dem Unternehmen ausgeschieden.

Wann haben Sie Ihre Faszination für Digitalisierung entdeckt?

Das Thema Digitalisierung hat mich schon in der HTL gepackt. Wir sind ja ohne digitale Methoden aufgewachsen. Erst mit 16, 17 Jahren hatten wir das erste Mal Kontakt mit Computern – und wir waren unglaublich fasziniert. Ich erinnere mich, wie wir uns im Schülerheim einen Computer gekauft haben, mit Bernstein-Monitor, und uns stundenlang mit Simulationen beschäftigt haben. Diese Begeisterung vom ersten Tag ist geblieben.

Die digitale Transformation am Bau ist eine große Herausforderung. Wir müssen unsere handwerklichen Fähigkeiten mit den digitalen Möglichkeiten verbinden – und das in einer sehr fragmentierten, kleinteiligen und projektorientierten Branche. Bei jedem Projekt arbeiten andere Personen zusammen, was durchgängige Datenflüsse extrem schwierig macht. Dennoch kommen wir Schritt für Schritt voran, mit einer klaren Vision, wo es hingehen soll.

Wo liegen aktuell die größten Hindernisse?

Ein Problem sind die vielen Normen und Vorschriften, die weder auf Digitalisierung abgestimmt noch digital auslesbar sind. Wir brauchen dringend Standards, die einfacher und schlanker sind. Außerdem ist die Branche extrem fragmentiert – bei jedem Projekt neue Teams, neue Abläufe. Das ist wie eine Fußball-Europameisterschaft, bei der jede Partie mit neuer Mannschaft und neuen Regeln gespielt wird. Effiziente Digitalisierung gelingt nur mit fixen Teams und stabilen Softwarekonstellationen.

Referenzprojekte

Haus Siegmund, St. Ulrich am Pillersee

Fankhauser Estriche (c) Christoph Ascher

Aufstockung Studentenwohnheim, Kufstein

BV Eisentec, Münster

Einfamilienhaus B, Hopfgarten

Kugelwandweg, Walchsee

Wie setzen Sie digitale Methoden konkret in Ihren Projekten ein?

Digitalisierung beginnt bei der Planung: Wir bauen Gebäude zunächst virtuell in digitalen Modellen. Daraus leiten wir Kosten ab, vergeben Aufträge, bereiten die Baustelle vor und managen die Bauprozesse. Poliere, Vorarbeiter und Facharbeiter sind von Anfang an genauso eingebunden wie die Architekten oder die Fachplaner.

Am Ende entsteht ein digitaler Zwilling, der das reale Gebäude abbildet und mit dem wir schon vor Baubeginn simulieren können, wie sich das Gebäude später in der Nutzung verhält. Dabei geht es nicht nur um den Rohbau, sondern auch um die Inneneinrichtung und um optimale Prozessabläufe. Der Bauherr kann mit der VR-Brille durch das Gebäude gehen und schauen, ob das alles für ihn so passt oder ob er noch Änderungen vornehmen will. Das reduziert Planungsfehler und natürlich auch die Kosten. Und wenn man einen sehr guten digitalen Zwilling hat, kann man ihn später auch für ein professionelle Computer Aided Facility Management verwenden.

Eine große Herausforderung ist die digitale Baustelle. Wir müssen schließlich sicherstellen, dass das Modell auch auf die Baustelle kommt und die Prozesse entsprechend funktionieren, also beispielsweise alle administrativen Themen, die wir dort haben: Tagesbericht, Stundenerfassung etc. und natürlich die Koordination der unterschiedlichen Gewerke, die am Bau beteiligt sind. Das funktioniert schon sehr gut mit unserer eigens entwickelten Prozess- und Dokumentenmangementlösung.

 

Welche Chancen eröffnen digitale Methoden wie BIM und der digitale Zwilling für Bauherren und Projekte?

Mit BIM arbeiten wir in der Planung doppelt so effizient wie konventionell. Bauherren profitieren davon, dass sie ihr Gebäude schon vor dem Bau virtuell erleben und anpassen können – bis hin zur Inneneinrichtung. Ein gutes Beispiel ist das Headquarter von RECON, das wir komplett im Design & Build Modus digital umgesetzt haben. Ein digitaler Zwilling bietet zudem die Basis für modernes Facility Management, wie wir es etwa beim Projekt HPLFA Rotholz umgesetzt haben. Das ermöglicht Bauherren, Wartung und Betrieb professioneller und kostengünstiger zu steuern.

Wie sehen Sie die Zukunft der Baubranche – gerade im Hinblick auf Digitalisierung und Klimaneutralität?

Die Bauwirtschaft hat eine große Zukunft, sie ist nach wie vor die größte Industrie der Welt und schließlich auch der Schlüssel zur Klimaneutralität. Wir müssen bestehende Gebäude transformieren, die Energiewende umsetzen, Kraftwerke, Leitungen und Infrastruktur bauen. Ohne den Bau wird Klimaneutralität nicht gelingen. Digitalisierung ist dabei entscheidend, um die Komplexität zu beherrschen, Prozesse effizienter zu gestalten und Fehlerkosten zu reduzieren.

Dazu braucht es aber auch einen Kulturwandel in der Baubranche. Die Berufsbilder verändern sich derzeit stark. Ich habe schon am Anfang gesagt: Wir sind auf dem Weg zum digitalen Handwerk. Wir müssen die seit Jahrzehnten gewohnten handwerklichen Fähigkeiten jetzt um die digitalen Möglichkeiten ergänzen. Und eben in diesem Bereich der digitalen Möglichkeiten ist eine große Veränderung vorhanden.

Digitalisierung ist mehr als Software. Es ist im Wesentlichen eine Frage der Kultur und der Organisation und auch der Mitarbeiter, sie entsprechend mitzunehmen. Man kann die tollste Software haben, wenn die Mitarbeiter sie nicht entsprechend bedienen oder bedienen wollen oder irgendwelche Bypässe bauen, dann hat das keinen Effekt.

Mein Wunsch ist, dass die Branche kontinuierlich und konstant investiert, sich erfolgreich transformiert und so attraktiv für junge Menschen und Bauherren bleibt.

Wir benötigen dringend digitale Bauprozesse, denn das Bauen ist sehr komplex geworden. Und das ist ohne digitale Methoden überhaupt nicht mehr beherrschbar. Wenn man sich vorstellt, dass wir zum Beispiel bei den normalen klassischen Wohnhaus von 300 bis 400 Prozessschritten reden, wo hinter jedem Prozessschritt wieder ganz große Teilaufgaben liegen, dann ist das mit normalen Methoden nicht mehr beherrschbar. Wir brauchen dringend digitale Möglichkeiten, um das gut in den Griff zu bekommen - auch in Hinblick auf die Klimaneutralität, bei der die Baubranche eine Schlüsselindustrie ist.

Anton Rieder, Baumeister und Vordenker der Digitalisierung am Bau.

Anton Rieder

Baumeister und Vordenker der Digitalisierung am Bau.

Werdegang

1976 - 1980

Volksschule Kufstein

1980 - 1984

Hauptschule Kufstein II

1984 - 1989

Höhere Techn.Bundeslehr- u. Versuchsanstalt

1988 - 1999

Mitarbeit im elterlichen Baubetrieb als: Bautechniker, Bauleiter, Baukaufmann, Aufbau einer Kostenrechnung, Organisation, Marketing, Betriebsführung u. Akquisition, Projektentwicklung und Generalunternehmer

1990 - 1995

Universität Innsbruck – Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur, Fachrichtung Bauingenieurwesen

1995 - 1998

Bauleiter bei der Fa. Ed. Ast & Co, NL Ibk

1996

Unternehmer- u. Ausbilderprüfung

1997

Baumeister- u. Bauträgerprüfung

1999

Ziviltechnikerprüfung

seit 1999

zuerst Prokurist und ab 2002 Geschäftsführer der Rieder Bauges.m.b.H. & Co.KG und diverser Beteiligungs-Unternehmen

2008-2024

Landesinnungsmeister Bau in Tirol

2010-2020

Spartenobmann-Stv. Gewerbe-Handwerk Tirol

Seit 2020

Vizepräsident der Wirtschaftskammer Tirol Stv. Bundesinnungsmeister Bau

Seit 2024

Obfrau-Stv. Wirtschaftsbund Tirol